Deutsch / English
Reset
v
v
v

Verlorener Horizont


2013 DOK Leipzig, Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Deutschland, Bolivien | 2013 | 69 Minuten | spanisch | englische Untertitel | Weltpremiere
Back to film list
Zurück
Verlorener Horizont | Verlorener Horizont

KATALOGTEXT
„Eines Tages starb das Meer, von einem Ufer zum andern, sich faltend, schrumpfend, ein Mantel, den man fortnimmt.“ Die Wehklage, von der chilenischen Dichterin Gabriela Mistral in ihrem Gedicht „Der Tod des Meeres“ angestimmt, dieser poetisierte Phantomschmerz könnte auch aus Bolivien stammen. Vor über hundert Jahren büßte das Land – durch Chile – seinen Zugang zum Meer ein. Anders als bei Mistral gilt jenes deswegen aber nicht als verloren. Es bleibt als verlorener Horizont erhalten, als nationaler Sehnsuchtsort. Eines Tages kehrt Bolivien ans Meer zurück. Wie ein Mantra wiederholt sich das Motto, in Schulen, bei der „Feier des Tages des Meeres“, bei der Ausbildung der Marine. Ja, Bolivien leistet sich eine Marine für diesen glorreichen Tag, eine „Armada“, auch wenn die statt auf dem Pazifik auf dem Titicacasee schwimmt. Der Film verfolgt die Ausbildung von Wehrpflichtigen zu Matrosen und dringt so in die Funktionsweise des Mythos ein. So manches Manöver rangiert am Rande der Absurdität, etwa wenn die Taucherspezialtruppe sich mit einem beherzten „Für Bolivien, verdammt!“ in den See stürzt oder die Soldatinnen zur Matrosenuniform abgesägte Pumps überstreifen. Szenen wie am Wegesrand eingefangen, zwischen Disziplin und Träumerei, ergänzen das Panorama eines „maritimen“ Andenlandes, das einerseits an alten Idealen festhält, andererseits zaghafte Modernisierungsschritte unternimmt.

Lars Meyer
Credits
Originaltitel: Verlorener Horizont
Land: Deutschland, Bolivien
Jahr: 2013
Sprache: spanisch
Untertitel: englische
Laufzeit: 69 Minuten
Format: DCP
Farbe: Colour
Produktion: Eva Kemme, Tobias Siebert, Ansgar Frerich
Regie: Robert Bohrer, Emma Simon
Musik: Jan Maihorn
Kamera: Emma Rosa Simon, Max Preiss
Schnitt: Kathrin Dietzel
Buch: Robert Bohrer, Emma Simon, Marian Kaiser
Ton: Florian Dietrich
Website:
SHARE THIS FILM

Annotationsverweis
Die Texte zu den Filmen in den Wettbewerbsprogrammen Dokumentarfilm und im Internationalen Programm wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.