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Schnee von gestern


2013 DOK Leipzig, Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Deutschland, Israel | 2013 | 96 Minuten | deutsch, englisch, hebräisch | englische Untertitel | Deutsche Premiere
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Schnee von gestern | Schnee von gestern

KATALOGTEXT
Eine junge Israelin zieht nach Deutschland. „In die Diaspora!“, befinden ihre entsetzten Eltern, dorthin, wo ein Großteil der Verwandten im Holocaust umkam. Aber Yael Reuveny beharrt als Vertreterin der dritten Generation auf ihrem Recht, unvoreingenommen in eine Stadt zu gehen, die gerade nicht nur bei Israelis angesagt ist. Doch sie irrt. Die Vergangenheit folgt ihr auf dem Fuße. In Schlieben, einer unscheinbaren Kleinstadt in Brandenburg, stößt sie auf Spuren, die zum lange verschollen geglaubten Bruder der Großmutter führen. In einer nachdenklichen, komplex verwobenen und immer wieder um die wunden Punkte der Familiengeschichte kreisenden Montage, erzählt Reuveny, wie aus Feiv’ke erst Feiwusch und zu guter Letzt Peter Schwarz wurde. Tastend befragt die Regisseurin drei Generationen jeweils im Land der Täter und im Land der Opfer. So schafft sie es, den schwierigen Umgang mit Versöhnung aus den verschiedenen Perspektiven durchzudeklinieren. Ist Verdrängung möglicherweise unabdingliche Voraussetzung für Versöhnung? Feiv’ke ging nach dem Krieg nicht nach Israel, sondern entschied sich, ausgerechnet in jenem Ort zu leben, wo er im Konzentrationslager untergebracht war. Die Baracken werden kurzerhand umgebaut und aus den ehemaligen Aufsehern werden Nachbarn, ja sogar Fußballfreunde, wie ein Foto zeigt. Über Vergangenes reden sie nicht mehr, stattdessen krempelt man die Ärmel hoch für ein „besseres Deutschland“. Viele Fragen bleiben, aber vielleicht ist es auch gut, dass sie erst jetzt gestellt werden.

Cornelia Klauß
Credits
Originaltitel: Schnee von gestern
Land: Deutschland, Israel
Jahr: 2013
Sprache: deutsch, englisch, hebräisch
Untertitel: englische
Laufzeit: 96 Minuten
Format: DCP
Farbe: Colour
Regie: Yael Reuveny
Produktion: Melanie Andernach (Made in Germany Filmproduktion GmbH), Saar Yogev, Naomi Levari (Black Sheep Film Prod.LTD)
Kamera: Andreas Köhler
Schnitt: Nicole Kortlüke, Assaf Lapid
Musik: Volker Bertelmann
Ton: Cesar Fernandez Borras, Alfred Tesler, Nilly Kalmar, Idan Shemesh, Dovilas Meilus
Buch: Yael Reuveny
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Annotationsverweis
Die Texte zu den Filmen in den Wettbewerbsprogrammen Dokumentarfilm und im Internationalen Programm wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.